Über die Dachterrasse

Ich gärtnere auf unserer 15 m2 großen Dachterrasse über den Dächern von Aachen. Die Terrasse befindet sich im 3. Stock, sie hat eine süd-westliche Ausrichtung und bietet dadurch gute Voraussetzungen mit viel Sonnenschein. Aber sie ist auch ein extremer Standort, denn sie ist zusätzlich zu der manchmal sehr hohen Sonneneinstrahlung dem Wind ausgesetzt. Eine Brüstung gibt es nur nach vorne, die hintere Seite zur Wohnung hin besteht aus einer Fensterfront. An den Seiten wird die Terrasse durch das Dach schräg abgegrenzt, und auf der rechten Seite befindet sich ein kleiner Dachüberstand.

Die ersten Pflanzen bei unserem Einzug vor zehn Jahren waren ein Feigenbäumchen, eine Kätzchenweide und ein Zierapfelbaum. Seitdem ist die Anzahl der Töpfe, Kästen und Kübel stetig angewachsen, aktuell sind es ungefähr 60. Zunächst kamen viele nichtheimische Pflanzen dazu, doch im Laufe der Zeit begeisterte ich mich immer mehr für eine naturnahe Bepflanzung. Inzwischen haben sich in den Pflanzgefäßen vielfältige feste Gemeinschaften aus Frühblühern, Bäumen, Sträuchern, Wildkräutern und -stauden gebildet, und die Dachterrasse gleicht mehr einem Garten, als einem Balkon. 

Weiterhin habe ich Strukturen geschaffen, die für Insekten und andere Kleintiere einen Lebensraum bieten. Vögel werden im Futterhaus das ganze Jahr über gefüttert, Möglichkeiten zum Nisten finden sie in den drei Nistkästen (Höhlenbrüter, Meisen, Zaunkönigkugel). Für die Bienen gibt es eine Insektennisthilfe mit Sandarium, Lehmmauer und einem Bienenstein. Auf der gesamten Terrasse habe ich Zweige von Holunder und Brombeere für die Bewohner markhaltiger Stängel angebracht. Außerdem habe ich mit den Kindern eine Totholzpyramide und ein Mäuerchen aus Steinen gebaut. Auch der Teich wird gerne von Insekten angenommen, bei uns sorgt der kleine Solar-Wasserspeier für Freude und Entspannung. Natürlich sind die Naturmodule an die Größe der Terrasse angepasst, doch seitdem sie da sind, ist definitiv viel mehr Leben auf der Dachterrasse eingezogen.

Nach der Anfangsphase mit den typischen Gartencenterpflanzen, die unserer heimischen Tierwelt wenig bis gar keinen Nutzen bringen, pflanzte ich einige Jahre nur Gemüse, Obst und Kräuter an. Das machte besonders den Kindern viel Spaß, da es immer etwas zu ernten gab, es war aber durch das Schleppen der Erde und die ständigen Umpflanzaktionen sehr aufwändig. In dieser Zeit fiel mir zum ersten Mal auf, dass es nur eine gute Ernte gab, wenn Bienen und Hummeln die Blüten bestäubten. Also stellte ich meine Gefäße zunehmend auf eine insektenfreundliche und feste Bepflanzung um und pflanzte Obstbäume in Zwerg- oder Säulenform und verschiedene Sträucher mit einheimischer Unterpflanzung. Im letzten Jahr gab es an Gemüse immerhin noch Winterheckenzwiebeln, Ewigen Kohl, Salate, Kohlrabi, Radieschen, Erbsen, Bohnen, Minigurken, Tomaten, Melonen und Süßkartoffeln. Doch das ist Geschichte, denn meine Planung für dieses Jahr sieht ganz anders aus … 

Wenn du nun neugierig geworden bist, schaue gerne hin und wieder hier vorbei. Und wenn du noch ein bisschen tiefer in die Geheimnisse unserer Dachterrasse eintauchen möchtest, dann bleibe einfach noch ein bisschen da. Ich empfehle dir, bei den Geschichten 2020 zu starten. Dort findest du alles, was im vergangenen Jahr wichtig war. 

Viel Spaß dabei!